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KAMPF DER BODENVERSIEGELUNG!

Do, 07. Oktober 2010
Beitrag von Dr. Luzian Paula
Mit jedem neuen Haus erfolgt eine weitere Versiegelung des Bodens.

In den vergangenen Jahrtausenden menschlicher Siedlungstätigkeit war das kein Problem. Die erforderliche Wohnfläche pro Individuum betrug nur wenige Quadratdezimeter und durch das Strohdach konnte der Regen auch den Boden erreichen. Durch Mehrfachnutzung des Wohnungsinventars (z.B. durch Bettgeher) konnte sogar in der bauwütigen Gründerzeit die versiegelte Fläche gering gehalten werden. Aber heute, wo es leider keine flächensparenden Gemeinschaftstoiletten am Gang mehr gibt und jeder ein eigenes Badezimmer statt einer Bassena pro Stockwerk braucht und zwei bis drei befestigte Autoabstellplätze sein Eigen nennt, schaut die Sache schon anders aus.
Auch die Dachdeckungsmaterialien werden immer dichter. Und da wir auch nicht mehr auf unbefestigten Straßen im Schlamm waten wollen, müssen diese ganz unökologisch gepflastert werden. So entsteht ein neues Problem: wohin mit dem Wasser? Was macht man, wenn es ein neues Problem gibt? Man denkt nach und setzt dann administrative Massnahmen! Und so werden jetzt Gesetze und Bauordnungen geändert, damit das Wasser nicht so schnell vom Grundstück weggeleitet wird. Es sollte nach Möglichkeit gar nicht vom Himmel fallen und wenn es sich nicht daran hält, auf eigenem Grund und Bodern versickern. Tut es das auch nicht, soll es erst in ein Rückhaltebecken kommen und erst später, wenn es noch immer nicht verdunstet ist, in den Vorfluter dürfen. Was natürlich bedeutet, dass wir jetzt die Kapazität des Vorfluters nachweisen müssen. Ein neuer Gutachterhimmel hat sich aufgetan! Und wir von der Raumplanung können auch unseren Beitrag dazu leisten! Neben innovativen technischen Massnahmen, wie Erhöhung der Saug- und Wasserhaltefähigkeit der Dachhaut (ein S/Wh-Faktor von 2/24 bedeutet z.B., dass ein Dachziegel das doppelte seines Volumens an Wasser aufnehmen und über 24 Stunden halten können muß), schlagen wir vor, das Bauen ohne Baugrund zu forcieren. Dadurch entfällt die weitere Versiegelung des Bodens und das Gebäude ist nicht an einen fixen Platz gebunden. Ganz nebenbei wird erfreulicherweise auch der Bodenverbauch auf das unumgänglich notwendige Ausmaß beschränkt.

Ein Beispiel für diese neuzeitliche Methode kann der folgenden Annonce entnommen werden: