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DIE MARCH FÜHRT HOCHWASSER ...

Sa, 04. September 2010
Beitrag von Dr. Luzian Paula
Eine unscheinbare Meldung im Verkehrsfunk über das übliche Hochwasser an der March und die damit verbundenen Sperren der Grenzübergänge bei Angern und Hohenau (jeweils: "a.d.March") tangiert uns alle eigentlich nicht sehr. Und doch - was sich hinter dieser Meldung verbirgt, sollte uns nicht kalt lassen. Zu den Fakten: der "Grenzübergang" Angern/March besteht aus einer wackeligen Fähre, die neben Fußgängern und Radfahrern gerade noch zwei PKW über den hier relativ bescheiden wirkenden Fluß bringen kann. Natürlich nur bei Tageslicht und wenn nicht gerade ein hoher Feiertag, Eistreiben oder Hochwasser diese Magistrale unterbinden.

Der weiter nördlich gelegene "Grenzübergang" Hohenau/March erfolgt über eine schwimmende Pontonbrücke, die naturgemäß den üblichen Naturgewalten unterworfen ist. Die früher hier - neben anderen - bestehenden Brücken über die March (Drösing, Dürnkrut, Schloß Hof u.a.) sind den Ereignissen des 2. Weltkrieges zum Opfer gefallen. Dann geschah lange nichts. Bis zum Jahre 1989 musste man warten, als sich die isolierte Lage unseres Nachbarlandes Slowakei in Luft auflöste und die nachbarlichen Beziehungen neu gestaltet werden konnten. Die alten Verkehrswege hätten längst reaktiviert werden können und ein reger Austausch über die Grenze wäre wieder möglich gewesen ... Aber 21 Jahre (!) danach ruft uns eine unscheinbare Verkehrsmeldung über ein patschertes Hochwasser an der March zurück in die Realität: der einzige (!) dauernd benützbare Grenzübergang vom EU-Mitglied Österreich in das EU-Mitglied Slowakei führt nach wie vor nur über Berg (südlich der Donau, wers nicht so genau kennt) nach Bratislava! Entlang der ganzen Staatsgrenze zur Slowakei nördlich der Donau (dieser Staat liegt bekanntlich dort) gibt es keine einzige dauerhaft benützbare Straßenverbindung über die March! Na gut - aber es gibt immerhin noch den Öffentlichen Verkehr. Na ja, so gut ist der auch wieder nicht. Von den 2 Eisenbahngeleisen der ehem. so stolzen Ostbahn liegt zwischen Wien und Bratislava nur mehr eines und beim Grenzübergang Marchegg (nur für Züge) stehen die Pfeiler des zweiten Richtungsgeleises sinnlos in der March herum. Oberleitung gibts natürlich auch keine. Und die schnellbahnmäßige Anbindung über die heutige Ostbahn endet in Petrzalka, von wo man dann eine halbe Stunde zu Fuß über die Donaubrücke nach Bratislava gehen kann. So gesehen bedeutet die Meldung über ein Hochwasser an der March schon eine mittlere raumstrukturelle Katastrophe für die Vienna Region oder CENTROPE oder wie die wohlklingenden Bezeichnungen für unseren mitteleuropäischen Raum alle heißen mögen ...