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ES LEBE BIO ...

So, 29. Mai 2011
... denn dann hat man mit Sicherheit ein gutes Gewissen.
Beitrag von Dr. Luzian Paula
Erfreuliche Nachrichten für echte Bio-Verfechter: unsere heimischen garantiert-Bio-Händler rufen Gurken und Paradeiser (pardon: Tomaten) wegen möglicher Verseuchung zurück und warnen vor deren Verzehr. Man möge das auf Verdacht hin inkriminierte Gemüse entsorgen. Wohin, wie und vor allem wie bio, wird zwar nicht gesagt, aber wir sind doch bio-correct glücklich über diese vorsorgliche message unserer garantierten Bio-Lieferanten.

Bleibt nur eine blöde Frage:
warum kaufen ausgerechnet unsere chicen Bio-Läden mit ihren überhöhten Preisen bei deutschen Großhändlern aus dem fernen Norden Gemüse in großen Mengen aus noch weiter entfernten Gegenden ein, das - etwas Allgemeinbildung vorausgesetzt - an Stellen gezogen wird, wo es unter natürlichen Bedingungen gar nicht vorkommt, daher riesige Plastikfolienfarmen und hohen Wassereinsatz braucht, das es dort nebenbei bemerkt, auch nicht gibt? Von der erforderlichen Chemie wollen wir gar nicht sprechen ...

Rätsel über Rätsel!

Wo doch zur Zeit von den heimischen Betrieben hervorragende Gurken und Paradeiser in großer Zahl zu wohlfeilen Preisen auf dem Markt sind? Und die Transportwege einer Gurke aus dem Marchfeld oder dem Burgenland in die große Stadt vermutlich kürzer sind, als aus einer spanischen Privinz? Und daß die größte Wiener landwirtschaftliche Genossenschaft zur Zeit hunderttausende von tadellosen Gurken der Kompostierung zuführen muß, nehmen unsere bio-Freunde achselzuckend als Kollateralschaden hin.

Vielleicht hängt es damit zusammen, daß wir dem hoch beworbenen Modeetikett BIO so ziemlich alles durchgehen lassen, was Gott verboten hat, nur weil es von soweit herkommt, daß wir uns von den wirklichen Produktionsbedingungen an Ort und Stelle gar nicht überzeugen können. Aber der Glaube versetzt bekanntlich Berge ...

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