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PARADIGMENWECHSEL IN DER RAUMPLANUNG NOTWENDIG

So, 08. August 2010
Beitrag von Dr. Luzian Paula
Die neue regionalisierte Bevölkerungsprognose der Statistik Austria verdeutlicht uns ein Problemfeld, das von der öffentlichen Raumordnung bisher negiert wurde: das Umland der Kernstädte wird weiter wachsen und die peripheren Regionen werden weiter schrumpfen. Die "Speckgürtel" werden dicker werden, ob wir wollen oder nicht. In der Politik nennt man das die "Abstimmung mit den Füssen",  egal welch hehre Ziele das gerade geltende Raumplanungsgesetz halt so vorschreibt.

Die Utopie der Sicherstellung gleicher Lebensqualitäten allüberall im Lande bricht ebenso donnernd in sich zusammen, wie der Glaube, mit dem Instrumentenkamm der Raumordnung über alle Landesteile gleich hinwegscheren zu können. Was wäre zu tun: weg von der Raumverwaltung hin zu einer aktiven Raumgestaltung! An der Spitze einer Bewegung kann man noch deren Richtung mitbestimmen. Inmitten des Feldes oder am Ende der Kolonne kann zwar trefflich bewiesen werden, wie man es hätte anders machen sollen und müssen. Wenn man schon weiß, dass das Umland unserer Kernstädte wachsen wird, wäre es höchst an der Zeit, die bisher gehandhabten (allemal bequemeren) Verhinderungsstrategien in aktive Planungsstrategien umzuwandeln. Das Erstellen schöner Atlanten mit umfangreichen Zahlenspielereien (= Datenschaufeln im Bestand) löst das Problem jedenfalls nicht. Wir verharren in Raum- und Verwaltungsstrukturen des späten 18. und frühen 19. Jhdts. und in Planungsvorstellungen der frühen 60er Jahre des 20. Jhdts. Was heißt denn das: der Verkehr im Umland der Städte erstickt uns und daher darf dort kein neues Bauland mehr gewidmet und kein neuer Verkehrserreger (Häuselbauer, Gewerbebetrieb, Supermarkt) angesiedelt werden? Sollen wir die Leute und Betriebe alle wie weiland Maria Theresia als Wehrbauern an die südöstliche oder nördliche Staatsgrenze schicken? Der Grüngürtel um eine Stadt muß von Bebauung freigehalten werden (um die daran angrenzenden Bodenpreise ins Unermessliche zu treiben)? Die örtliche Raumplanung muß unantastbarer Kompetenztatbestand jeder einzelnen Gemeinde bleiben? Und es muß möglichst viele, unterschiedlichste Raumplanungsgesetze und Bauordnungen geben, weil nur das ein Beweis für den gelebten Föderalismus ist? Die heilige Kuh Verwaltungsreform muß endlich am Altar einer effizienten Raumstruktur aufgeopfert werden.

Kleinstgemeinden mit Planungskompetenz an der Grenze zu Großstädten oder Länder mit Planungskompetenz nur bis zur nächsten Landesgrenze werden die Herausforderungen, die uns die neue Bevölkerungsprognose ankündigt, nicht lösen können.