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DER HAUPTBAHNHOF RÜCKT AN DIE U 1

Fr, 30. Juli 2010
Beitrag von Dr. Luzian Paula
Jetzt macht sich also nach langem Zögern der gute, alte Bahnhof endlich auf die Socken, packt seinen Ranzen und rückt ein Stückerl näher an die eisern daliegende U-Bahnlinie 1. Aus lauter Faulheit (oder Boshaftigkeit ?) bleibt der neue Hauptbahnhof aber zum Trotz 335 m vor der U 1-Station Südtiroler Platz entfernt stehen und rührt sich nicht mehr weiter. Sowas von Unbeweglichkeit ...

Dabei kann man dem neuen Hauptbahnhof gar keinen so großen Vorwurf machen, waren doch seine zahlreichen Vorgängerbauten noch viel weiter von der modernen U-Bahn entfernt. Die hätten das damals doch schon berücksichtigen können! Vorausschauende Verkehrsplanung sieht doch wirklich anders aus! Aber nennen wir die Schuldigen doch beim Namen: Da wären erstens Raaber und Gloggnitzer Bahnhof, die von 1841 - 46 von den beiden Eisenbahngesellschaften unter Frh. v. Sina an der Stelle des späteren Ost- bzw. Südbahnhofes errichtet wurden. Schon die beiden haben sogar aufeinander nicht Rücksicht genommen, warum sollte das heute besser sein? Um etwa 1860 wurde die Raaberbahn von der Staats-Eisenbahngesellschaft (StEG) übernommen, der zugehörige Bahnhof hieß folgerichtig Staatsbahnhof und wurde von Schönerer neu errichtet. 1867 erfolgte seine Umbenennung in Centralbahnhof, 1910 wieder Staatsbahnhof und seit 1914 hieß die endgültige Bezeichnung Ostbahnhof.

Die Gloggnitzerbahn wurde vom Bankhaus Rothschild 1860 gekauft und in Südbahn umbenannt. 1867 - 70 erfolgte ein prächtiger Neubau des Südbahnhofes. Und auch dieser blieb hochnäsig weiter an seinem ursprünglichen Platz weitab der künftigen U-Bahn stehen! Nach den schweren Zerstörungen des Jahres 1945 dauerte es bis 1954, als man sich soweit von den Kriegsfolgen erholt hatte, um den Süd- und Ostbahnhof als gemeinsame bauliche Anlage völlig neu errichten zu können. Und wieder hat man die städtebauliche Jahrhundertchance nicht ergriffen und den neuen Bahnhof nicht an die künftige U-Bahn herangelegt! Fairerweise muß man zugestehen, dass damals in Wien U-Bahnen noch gar nicht angedacht waren, geschweige denn daran geplant wurde. Wenngleich die Bahnhöfe schon vorher fast 60 Jahre auf eine Anbindung im öffentlichen Verkehr warten mussten (die erste Straßenbahnlinie, die die Kopfbahnhöfe untereinander verband, wurde erst in den letzten Jahren des 19. Jhdt. verwirklicht), hätten sie daraus schon klüger werden können und ihre Neubauten an künftige U-Bahnen heranlegen!

Dem neuen Hauptbahnhof bleibt im 21. Jhdt. das Verdienst vorbehalten, endlich die richtigen Konsequenzen zu ziehen und einer U-Bahn nachzuwandern ...