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ALLES EIN DENKMAL?

Di, 21. August 2012
Denkmalschutz für die Wiener Praterbrücke angedacht
Beitrag von L. Paula
Diese Zeitungsmeldung hat Brisanz in sich: das Bundesdenkmalamt prüft, ob nicht die Erdberger Brücke über den Wiener Donaukanal, die als Teil der A 23 Wiener Südosttangente ihre Lebendauer erreicht hat und erneuert werden muß, unter Denkmalschutz gestellt werden soll. Als Grund wird die möglicherweise spezielle Konstruktionsweise angeführt, die der Planer derselben, Alfred Pauser, gewählt hat.

Nichts gegen Kollegen Pauser, dem dazu zu gratulieren ist!

Aber hinterfragen wird man das schon dürfen. Denn jeder Zweckbau, der nach dem Wissensstand seiner Zeit genial errichtet wurde, kann doch nicht automatisch zum Denkmal werden? Dürfen wir dann unsere Häuser, Brücken, Gehsteige, Wanderwege &tc. nicht mehr umbauen und den geänderten Anforderungen anpassen? Darf ein prominent entworfener Neubau, der seine Funktion offensichtlich verfehlt, nicht einer besseren Architektur weichen? Muß jeder Baum so stehen bleiben wie er ist und darf nicht mehr weiterwachsen oder ist in Zukunft sogar sein natürliches Wachstumsende (= Tod) verboten? Wird die Klosettmuschel in meiner Wohnung vielleicht auch bald ein Denkmal sein und darf nicht verändert werden? Ist die Verwendung von scharfen Reinigungsmitteln dabei verboten?

An der Abschaffung des Schicksals durch administrative Maßnahmen sind schon ganz Andere gescheitert.

Am Beispiel der Praterbrücke ergeben sich aber noch ganz andere lustige Überlegungen: wird das Ding zur Unveränderbarkeit verdammt, muß daneben eine andere Brücke neu gebaut werden. Denn ohne Brücke funktioniert die Tangente (immerhin die meistbefahrene Straße Österreichs) nicht. Allerdings: in den Jahrzehnten seit ihrer erstmaligen Errichtung ist auch der Prater ein höchstgeschütztes Naturschutzdenkmal geworden und in dem darf keinesfalls eine neue Straßenbrücke errichtet werden.

Was nun?