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WASSER DARF NICHT VERKAUFT WERDEN

Fr, 25. Januar 2013
Skurriles zur EU-Diskussion
Beitrag von L. Paula
Denken hilft, hat man früher gesagt. Und insbesondere, bevor man spricht. Doch heute schreit man lieber, bevor man spricht und zwar aus Prinzip und grundsätzlich, bevor man denkt. Denken könnte weh tun.

Was ist passiert? Da will doch die böse EU "unser" Wasser privatisieren und verkaufen! Skandal - das darf doch nicht sein! "Schützen wir", "retten wir" &tc., &tc.

Bevor wir aber Wasserschützer werden, lohnt es sich nachzudenken (auch wenn es manchmal weh tut):

1. Die Menge:
rd. 97 % des gesamten Wasserdargebotes in Österreich ist nur ein mehr oder weniger lange bei uns befindlicher Gast auf der Durchreise - es fällt irgendwann und -wo vom Himmel, durchfließt unser Land ober- oder unterirdisch - und verläßt uns wieder ungenutzt überwiegend nach Osten oder gen Himmel. Rd. 3 % des gesamten Wassers nutzen wir in Österreich selbst - aber auch diese Menge verbleibt nicht hier, sondern entschwindet nach Gebrauch ebenso gen Osten (widerwärtig - kann man nichts gegen diese schreckliche Himmelsrichtung tun?).

2. Die Besitzverhältnisse:
Dummerweise gehört bereits bisher jeder Tropfen Wasser in Österreich irgendjemand, darunter vielen Privaten, vieles jedoch davon uns Allen: man denke beispielsweise nur an das Wasser in der Donau oder den anderen öffentlichen Gewässern. Hingegen der schöne Neusiedlersee mit seinem Wasser gehört dem Esterhazy, der Attersee oder so manch andere reizende See und Bach ist seit alters in reinem Privatbesitz. Und gar das Grundwasser: da hat der jeweils darüber an der Erdoberfläche befindliche Grundbesitzer ein Eigentum daran. So what?
Apropos Grundwasser: da gehört ja nicht nur "unser" Heil- und Thermalwasser sondern auch das Quellwasser dazu: möcht’ ma’ schön schauen, wenn Vöslauer oder Römerquelle ihr Wasser zurückgeben müssten und ihre florienden Betriebe, die Wasser ja "verkaufen" (horribile dictu) in der Folge zusperren. Und die Heilquelle in Oberlaa nicht mehr wirtschaftlich genutzt werden darf, sondern in den Liesingbach geleitet wird, diesen unnützerweise aufwärmend ...

Was will die EU eigentlich - und vor allem unsere derzeit aufgerüttelten Teuren, die den Ausverkauf des Wassers stante pede verhindern wollen, daran ändern?

3. Das Recht:
Bevor man laut zur "Rettung unseres Wassers vor der EU und den Konzernen" trompetet, sollte man in das Wasserrechtsgesetz schauen: dort ist alles bestens auch in Bezug auf das Eigentum am Wasser geregelt (das Wasserrecht ist eine der ältesten raumrelevanten Planungsmaterien): der "Gemeingebrauch" des Wassers ist für uns alle zulässig, wem auch immer es gehört.

Was soll also die ganze hysterische Aufregung ?