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UND WIEDER: LADENSCHLUSS

So, 02. Juni 2013
Niedermeyer, daily und anderes
Beitrag von L. Paula
Betrachtet man die beiden gegenüberliegenden Seiten 7 (linke) und 8 (rechte) des KURIER vom 30. Mai fällt folgendes auf:

Die ganze linke Seite ist ein einziges Inserat eines großen Elektro-Marktes mit dem ein einziges Produkt (ein TV-Schirm), erhältlich nur in einem neuen Markt, auffällig beworben wird.
Gegenüber auf der rechten Seite finden sich 2 Berichte über den endgültigen Niedergang der Elektrohandelsfirma Niedermeyer und des sog. Nahversorgers daily. Der dritte Artikel dieser Seite gibt die hehre Meinung eines Kammerfunktionärs wieder, der Raumordnung und Politik beschuldigt, nicht genug "Plan, Herz und langfristiges Denken" zu haben, um mit diesem einfachen Rezept wieder Geschäfte in die Ortskerne zu locken.
Und auf der folgenden Seite 9 desselben KURIER wird ausführlich darüber berichtet, daß ein führender österreichischer Sportartikelhändler von einer britischen Handelskette übernommen wurde, weil er alleine nicht mehr dem internet-Handel gewachsen war.

Die Konklusio nach blauäugiger Analyse dieser Zeitungsseiten lautet also: Je größer ein Handelsbetrieb ist, desto besser, weil er sich dann der Konkurrenz des internetzes besser entgegenstellen kann, aber er hat auch nur wenige (große) Standorte. Ein Nahversorger in den Ortschaften (und auch Niedermeyer war so etwas) wird durch dumme Raumordner und Politiker umgebracht und die Orte sterben ab.

So einfach ist das also!

Daß möglicherweise noch ganz andere Faktoren und Entwicklungen mitspielen, ist für die planerischen Gutmenschen irrelevant und nicht einsehbar. Faktum ist, daß die Orts- und Stadtkerne Bevölkerung verlieren und somit Kundschaft im unmittelbaren Einzugsbereich fehlt. Das macht die Standorte innerhalb unattraktiv. Und wenn man noch bedenkt, daß die ohnehin schon schlechten Standorte von Schlecker nur wegen der geringen Mietkosten gewählt wurden, ist klar, warum daily gescheitert ist. Die Marktnische der Sonntagsöffnung wurde ihm nicht gewährt, die hätte aber auch nichts mehr geholfen ...

Wer sichert uns daher die Nahversorgung: der Briefträger (Zitat: Kurier vom 1. Juni). Weil warum: es wird immer mehr im internetz gekauft und die Post bringt’s. Ist also der Postler die Ursache für das Aussterben der Ortszentren?

Wohl auch nicht!

Wir sollten aber dennoch dringend über den stattfindenden Wandel in den Konsum- und Einkaufsgewohnheiten der Bevölkerung nachdenken und daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Die weiterhin starre und gedankenlose Anwendung unserer Planungsinstrumente, die noch dem Ziel der Abschaffung des Schicksals durch administrative Maßnahmen geschuldet sind, wird uns in den Bemühungen gegen das Ausdünnen der Ortskerne nicht weiterbringen.