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Büro Dr. Paula
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40 JAHRE RAUMPLANUNGSABSOLVENTEN

Do, 20. Juni 2013
Referat von L. Paula am PlanerInnentag 2013 in Graz
Im Wintersemester 1970/71 wurde an der TH Wien die Studienrichtung Raumplanung und Raumordnung unter Prof. Wurzer als Aufbaustudium neu eingerichtet. Die Studienvoraussetzung war ein erfolgreich absolvierter 1. Studienabschnitt aus den Studienrichtungen Architektur, Bauingenieurwesen, Vermessungswesen, Landwirtschaft, Geographie, Bodenkultur, Welthandel, Militärakademie u.ä. Die reguläre Studiendauer betrug 6 Semester.

Als einzige Information über das neue Studium war damals im 4. Stock der TH am Gang vor dem Institut für Städtebau, Raumplanung und Raumordnung (Prof. Wurzer) ein Zettel angeschlagen, der zur Inskription einlud. Ca. 30 Studierende folgten diesem Aufruf und erlebten in den familiären Räumen des Hauses Karlsgasse 13 einen intensiv betreuten Vorlesungs- und Übungsbetrieb.

Zu damals: der Sommer 1973 war wettermäßig schön, der Benzinpreis niedrig (2,30 öS), der Ölschock noch in weiter Ferne; Kreisky führte eine Bundesregierung und über Marchegg erfolgte die Auswanderung russischer Juden nach Israel. In Wien gab es noch keine U-Bahn, keine Donauinsel und die Kärntnerstraße war noch für den Verkehr offen. In Graz wäre die Murinsel genauso wie die Kunsthalle noch undenkbar gewesen und Steyr-Daimler-Puch produzierte auch ohne Magna fleissig vor sich hin. Die Mur-Mürz-Furche boomte wie die VOEST in Linz, wenngleich verstaatlicht und mit horrenden Verlusten. In Nieder-, Oberösterreich, Burgenland, Steiermark und Kärnten war der Eiserne Vorhang dicht und eine wirtschaftliche Entwicklung der Grenzregionen undenkbar. Als Telefon haben wir ¼-Anschlüsse benutzt, internetz und handy waren noch nicht erfunden. Und ohne GPS haben wir uns mit Hilfe von Landkarten auch ganz gut orientieren können. Europäische Ideen waren in der EWG im Aufbau, die gleichnamige Fernsehsendung zählte zu den beliebtesten.

Im Sommersemester dieses Jahres 1973 - also vor 40 Jahren - haben dann die ersten rd. 25 Absolventen das neue Studium beendet.
Und was wurde aus jenen wagemutigen Pionieren?

5 Ziviltechniker mit der 1979 neugeschaffenen Befugnis „Ingenieurkonsulent für Raumplanung und Raumordnung“ (davon 2 noch immer aktiv),
2 Generäle des Bundesheeres,
2 Abteilungsleiter in Arbeiterkammern (Tirol, Wien),
1 Landesumweltanwalt in Tirol,
1 Senatsrat in der Stadt Salzburg,
1 Stadtplaner in Innsbruck,
2 Hofräte in Landesregierungen (Slzbg., NÖ),
1 Planungsdirektor in Wien,
1 Abteilungsleiterin der WKW, Landtagsabgeordnete und
  Stadträtin in Wien,
1 Rektoratsmitarbeiterin TU Wien,
1 Stadtplaner in Karlsruhe,
1 Nationalparkdirektor in NÖ,
1 Architekturkritiker (Jan Tabor) in Wien,
1 Landschaftsplanerin in Wien,
1 Ministerialrat in Griechenland,
1 Minsterialrat im Rechnungshof in Wien,
  &tc.

Fürwahr, ein ansehnliches Ergebnis - es wurde damit u.a. auch der Grundstein für den PlanerInnentag von heute gelegt.

Denn zwei der o.a. Ziviltechniker dieses Absolventenjahrganges haben die langwierigen und mühsamen Vorarbeiten bis zur Einsetzung einer intersektoralen Bundesfachgruppe Raumplanung und Städtebau betrieben, die schließlich im Jahr 1995 glücklich erfolgte. Durch Nichtbeschickung seitens der Sektion Architekten erfolgte bald die Umbenennung in BFG Raumplanung und später in BFG Raumplanung, Landschaftsplanung und Geographie. Und diese Bundesfachgruppe hat den "Planertag" erfunden und 1998 erstmals abgehalten.