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BETEN FÜR BZW. GEGEN DEN KLIMAWANDEL

Mi, 02. September 2009
Beitrag von Dr. Luzian Paula
Der Aletschgletscher im Schweizer Wallis wuchs und wuchs. Solange bis er nahe an die Siedlung Fliersch herangekommen war und diese gefährlich bedrohte.

Da griffen die Flierscher zu einer wirksamen Waffe und leisteten ein feierliches Gelöbnis: sollte der Gletscher sein Wachstum einstellen und die Ortschaft nicht mehr bedrohen, würden sie jährlich als Dank an Gott regelmäßige Gebetsstunden und Wallfahrten abhalten. Beten für den Klimawandel würden wir aus heutiger Sicht sagen. Seine Heiligkeit in Rom genehmigte diese Übereinkunft - und der Gletscher hörte zu wachsen auf! Das war vor rund 300 Jahren. Jetzt geht der Gletscher zurück - und das ist den Flierschern auch wieder nicht recht. Denn der gewaltige Gletscher hat in den letzten 150 Jahren ganz schön zum volkswirtschaftlichen Einkommen durch den Fremdenverkehr beigetragen. Und ohne Gletscher kommen keine Fremden und ohne Fremde gibts kein Einkommen mehr.

Was tun? Da erinnerten sich die listigen Flierscher an ihr altes Gelübde und wollten es - jetzt unter umgekehrtem Vorzeichen natürlich - erneuern. Also beten gegen den Klimawandel, der den schönen Gletscher davonrinnen läßt! Leider hat man die Rechnung ohne Rom gemacht, denn das Gelübde muß natürlich wieder genehmigt werden - und das geht nicht so einfach. (Wo ist der Änderungsanlaß, würden wir sagen).

Egal wie die geistliche Sache ausgeht, die Kernbotschaft bleibt: man kann gegen das jeweilige Wetter anbeten und wir schlagen das als Lösung gegen den derzeit strapazierten Klimawandel vor. Neben Bittgängen der radikalen Klimaschützer in Begleitung von Flagellanten bieten sich moderate Wallfahrten der Regierung mit dem Autobus nach Mariazell an, um das Klima günstig in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen.

Es wird allerdings befürchtet, daß wärmeliebende Personengruppen, die bisher gezwungen waren, ökologisch bedenkliche Flugreisen in den Süden unternehmen zu müssen, zu gewaltsamen Gegendemonstrationen, ja sogar Kreuzzügen in das Heilige Land aufrufen - die Exekutive ist hier gefordert. Wir hingegen, die wir über die Kapriolen des Klimas aus simplen Geschichtsbüchern wissen, daß sich das Klima im Lauf der Vergangenheit auch ohne Treibhausgase immer schon verändert hat - und der Mensch Eiszeiten und Hitzeperioden heil überstand - wir freuen uns auf den nächsten Sommer, wie immer er auch sein mag.