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Büro Dr. Paula
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PLÖTZLICH TULLNER !

Mi, 16. September 2015
Beitrag von L. Paula
So geht’s aber wirklich nicht: da lebt man in einem schönen Häuschen gleich über der Landesgrenze zu Wien beim Kahlenbergerdorf - ist und/oder fühlt sich als Wiener - und jetzt das! Nur weil es dem fernen Landeshauptmann im noch ferneren St. Pölten gefallen hat, endlich den unsäglichen Politischen Kunstbezirk "Wien-Umgebung" aufzulösen, soll man auf sein geliebtes Autokennzeichen "WU" verzichten müssen! Und als Strafverschärfung noch dazu mit einem "TU" herumfahren müssen! Als ob man wirklich vom Land daherkäme!

Ganz im Ernst: das scheinen die wichtigsten Probleme der Klosterneuburger zu sein, die sich über diese Verwaltungsvereinfachung maßlos aufregen. Als ob es nicht völlig wurscht wäre, welche Buchstaben auf der Nummerntafel stehen. Nur für die Wiener Polizei wird es etwas schwieriger, denn sie kann jetzt an Hand des Kennzeiches nicht mehr so rasch erkennen, ob es sich um einen mit Vorliebe zu bestrafenden richtigen "Tullner" oder nicht doch um einen "versteckten" Klosterneuburger handelt, den man auch nachsichtiger beamtshandeln kann.

Für Nicht-Wiener bzw. -Umgebungler zur Erklärung: der nun zur Auflösung anstehende Bezirk "Wien-Umgebung" umfasste mehrere Gemeinden, die direkt an Wien angrenzen und tlw. in keinem räumlichen Zusammenhang miteinander stehen (so z.B. Schwechat im Osten, Klosterneuburg im Westen, Gerasdorf im Norden von Wien). Diese u.a. Gemeinden waren während der deutschen Besetzung als 24. Bezirk nach Wien eingemeindet worden.  Nach dem Krieg wurden sie wieder aus Wien herausgelöst und im Bezirk "Wien-Umgebung" mit Sitz der BH in Klosterneuburg zusammengefasst. Wenn also ein Gerasdorfer auf die BH will, muss er erst nach Wien hineinfahren, die Donau überqueren und dann aus Wien hinaus nach Klosterneuburg reisen. Sehr effizient, das Ganze ...

Und jetzt, nach Auflösung dieser Skurrilität, soll ein Klosterneuburger plötzlich zum Tullner werden! Also das geht wirklich nicht ...

(Anm.: d. Verf.): den köstlichen Titel verdanke ich Florian Asamer von der "Presse")