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VORBILDLICHE RAUMPLANUNG …

Sa, 07. Januar 2017
… durch unsere hohe Politik.
Beitrag von L. Paula
Da kann man sich wirklich was abschauen: alle unsere 9 (in Worten: neun) Raumplanungsgesetze postulieren den „sparsamen Umgang mit Grund und Boden“ und forcieren den Vorrang der Nutzung bestehender Bausubstanz in den Orts- und Stadtzentren gegenüber der Neuwidmung von Bauland auf der grünen Wiese.

Jeder Häuslbauer, der naturgemäß seine Traumhaus möglichst weitab der Ortskerne neu errichten will, weiß davon ein Lied zu singen: wenn zuerst der Ortsplaner und dann die Beamten der raumplanerischen Aufsichtsbehörde seinen Wunsch nach Neuwidmung von Bauland am Ortsrand mit den Worten abschmettern: „des wird ned gehen“.

Und doch: wieso ist gerade diesem armen Bürger der verständliche und aus seiner Sicht sogar nachvollziehbare Wunsch verwehrt, wenn doch seine gewählten Vorbilder gar anders handeln?

So gefiel es jüngst unseren Teuren Gewählten in der Wienerstadt das altehrwürdige Parlamentsgebäude von Theophil Hansen am Ring zu sanieren. So weit, so gut. Doch wohin mit alle den Politikern und ihren Mitarbeitern in der Zwischenzeit? Ganz einfach: wir machen einen Neubau (natürlich eh‘ nur provisorisch). Und wo machen wir ihn - auf der grünen Wiese. Am Heldenplatz nämlich, der durch seine prächtige Gartenanlage das Ensemble der Hofburg mit prägt. Da werden mitten hinein 2 neue Bürogebäude gestellt!

Und dabei gäbe es in unmittelbarer Nähe ein leerstehendes Bürogebäude (das von Harry Glück geplante ehem. Rechenzentrum der Stadt Wien) und etwas weiter weg die leerstehende ehem. Wirtschaftsuniversität über dem Franz-Josefs-Bahnhof. Beides noble Adressen mit guter Erreichbarkeit fürwahr. Aber - bevor man über die Nach- oder Zwischennutzung bestehender Bausubstanz nachdenkt, baut man lieber auf der Wiese neu. Ist doch viel einfacher und man braucht auch weniger Nachdenken.

Und wir? Wir werden künftig den Häuslbauern in unseren Gemeinden keine Steine mehr in den Weg legen, wenn sie um eine Baulandwidmung am Ortsrand ansuchen, wo sie dann ohne Rücksichtnahme auf vorhandene Bausubstanz neu bauen können. Und die ganzen Ideen zur Ortskernbelebung tragen wir auch gleich feierlich zu Grabe.

Bei dem guten Beispiel, das uns die hohe Politik vorzeigt …