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NACH 50 JAHREN: BAUBEGINN FÜR DIE S 3 WEINVIERTLER SCHNELLSTRASSE

Fr, 28. April 2017
Zur Planungsgeschichte einer Straße
Beitrag von L. Paula
VON DER PRAGER- (später) ZNAIMER STRASSE ZUR HEUTIGEN  WEINVIERTLER SCHNELLSTRASSE - EINE LANGE GESCHICHTE

Historische Reminiszenzen von L. Paula (April 2017)


Die uralte Straßenverbindung von Wien über Stockerau und Znaim nach Prag hat im Lauf der Jahrhunderte viele Zuständigkeiten gesehen und wies dementsprechend auch viele Ausbauqualitäten und Maßnahmen auf.

Die erste wesentliche Zäsur stellte ihre Übernahme als Reichsstraße unter Kaiser Karl VI. in der 1. Hälfte des 18. Jhdt. dar. Durch kaiserliches Patent vom 27. Februar 1737 wurden die wichtigsten Fernverbindungen von der Haupt- und Residenzstadt Wien nach Prag, Brünn, Budapest, Graz, Triest, Venedig, Innsbruck, Salzburg und Linz in die Kompetenz des Reiches geholt und damit der Willkür der lokalen Grundherrschaften und Behörden entzogen. Diese Reichsstraßen bilden bis heute das Grundnetz der überregionalen Straßenverbindungen in Österreich (abgesehen von den Autobahnen und Schnellstraßen). Eine Neutrassierung auch der Pragerstraße mit durchgreifenden Begradigungen sowie ein technisch aufwendiger Neubau erfolgte danach (mit dementsprechend langer Bauzeit).

Diese Straßen wurden nach dem Zerfall der Monarchie von der jungen Republik Anfang des 20. Jhdt. als Bundesstraßen übernommen. Bis zum 2. Weltkrieg erfolgten keine wesentlichen Neutrassierungen und das Netz blieb weitgehend unverändert.

Mit dem neuen Bundesstraßengesetz 1971 begann die Ära der Neubewertung des hochrangigen Straßennetzes und neben den bereits bestehenden ersten Autobahn-abschnitten (aus deutscher Zeit) wurde eine Netzergänzung durch Schnellstraßen vorgenommen. Der hier behandelte Abschnitt zwischen Stockerau und Hollabrunn war dabei Teil der „Waldviertler Schnellstraße S 3“, die von Stockerau über Hollabrunn weiter nach Horn nach Neunagelberg führen sollte. Die heute bestehenden Umfahrungen von Hollabrunn und Horn sind davon erichtet worden und isoliert übriggeblieben.

In weiterer Folge wechselten die Bezeichnungen und Zuständigkeiten der nunmehr Znaimer Straße genannten Verbindung mehrmals, bis 2002 mit der Übertragung der Bundesstraßen an die Länder und in der Folge an die ASFINAG ein neues Kapitel der Planungsgeschichte eröffnet wurde und jetzt endlich ein Baubeginn bevorsteht.

Die folgende Dokumentation soll einen Überblick über die nunmehr 52-jährige (!) Planungsgeschichte der heutigen S 3 im Abschnitt Hollabrunn - Guntersdorf geben.


1.Bezeichnung und rechtliche Zuständigkeit der Straßenverbindung Wien - Stockerau - Prag bzw. Stockerau - Staatsgrenze bei Klein Haugsdorf

- bis zum Beginn des 18. Jhdt:
Straßen und Wege sowie deren Bau und Erhaltung befinden sich in der Zuständigkeit lokaler Grundherrschaften und sind dementsprechend unterschiedlich ausgebaut

- 2 „Alte Postwege“
(Oberhollabrunn - Mittergrabern - Pulkau - Fratting - Zlabings -Tabor - Prag);
bereits 1527 bestand hier eine Postverbindung zwischen Wien und Prag
(Oberhollabrunn - Wullersdorf - Immendorf - Untermarkersdorf - Mähren) „Griaweg“

- 1. H. 18. Jhdt:
Karl VI. holt 1737 die wichtigsten Fernverbindungen in die Kompetenz des Reiches und entzieht sie damit den Grundherren und lokalen Behörden
- Prager Reichsstraße (Stockerau - Oberhollabrunn - Znaim - Iglau - Prag)

- 1919 - 1971:
- Prager-/ Znaimer Bundesstraße (Stockerau - Staatsgrenze bei Klein Haugsdorf)

- BSt-G 1971, Verzeichnis 2 und 3:
- S 3 Waldviertler Schnellstraße (Stockerau - Hollabrunn - Horn - Staatsgrenze bei Neunagelberg); davon errichtet Stockerau - Hollabrunn-Nord und UF Horn
- B 2 Znaimer Bundesstraße (Hollabrunn - Staatsgrenze bei Klein Haugsdorf)

- BSt-G Novelle 1986:
- B 303 Waldviertler Straße (Stockerau - Hollabrunn - Horn - Staatsgrenze bei Neunagelberg)
- B 2 Znaimer Bundesstraße (Hollabrunn - Staatsgrenze bei Klein Haugsdorf)

- BSt-G Novelle 1999:
- B 303 Weinviertler Straße (Stockerau - Hollabrunn - Staatsgrenze bei Klein Haugsdorf)
- B 2 Waldviertler Bundesstraße (Schöngrabern - Horn - Staatsgrenze bei Neunagelberg)

- April 2002:
Auflassung der B 303 und der B 2 als Bundesstraßen; Übernahme durch das Land NÖ in das Landesstraßennetz als LB 303 und  LB 2

- Herbst 2005:
Strategische Prüfung-Verkehr (SP-V) für den Abschnitt Stockerau - Staatsgrenze bei Klein Haugsdorf als Voraussetzung zur Wiederaufnahme der LB 303 in das Bundesstraßennetz

- BSt-G Novelle 2006:
- S 3 Weinviertler Schnellstraße (Knoten Stockerau/West A 22/S 5 - Hollabrunn - Staatsgrenze bei Klein Haugsdorf)

Damit erfolgte die Übertragung der weiteren Planungsarbeiten an die ASFINAG


2.Trassierungs- und Planungsgeschichte der B 2 / heutigen S 3 Weinviertler Schnellstraße seit 1965 (Abschnitt Hollabrunn-West - Guntersdorf - Jetzelsdorf - Staatsgrenze bei Klein Haugsdorf)

- 1965:
Generelles Projekt Hollabrunn - Grund / Grund - Guntersdorf vom BM für Handel und Wiederaufbau genehmigt (die Trassierung folgte in etwa dem heutigen Verlauf !)

- 1967:
Vorstudie Hollabrunn - Guntersdorf (DI Pradler im Auftrag des Amtes der NÖ LReg, Abtlg. B 2), vom BM für Handel und Wiederaufbau am 22. August genehmigt
> siehe dazu das beiliegende Faksimile

- 1967:
Darstellung der genehmigten Trasse im vereinfachten Flächenwidmungsplan der Marktgemeinde Schöngrabern

- 1970:
Detailprojekt Hollabrunn - Guntersdorf (DI Pradler im Auftrag des Amtes der NÖ LReg, Abtlg. B2)

- 04. Juni 1973:
Genehmigung des Detailprojektes 1970 durch das BM für Bauten und Technik, Zl.: 533129- -12-73

- 1985:
Darstellung der genehmigten Trasse im Flächenwidmungsplan der Marktgemeinde Guntersdorf

- 1994:
Trassenänderung im Bereich Guntersdorf (geringfügige Begradigung östlich der Ortschaft)

- ab 1997:
Überarbeitung bzw. Neubearbeitung der Trassen in den Abschnitten Hollabrunn - Guntersdorf und Umfahrung Jetzelsdorf

- 2000:
Variantenuntersuchung und NKU Abschnitt Hollabrunn - Guntersdorf (DI Pejrimovsky/DI Wiesinger und Büro Dr. Paula im Auftrag des Amtes der NÖ LReg, Abtlg. ST7);
beim Ministerium für Bauten und Technik zur Genehmigung eingereicht - dort jedoch nicht mehr weiter behandelt

- 2001:
Variantenuntersuchung Umfahrung Jetzelsdorf (Büro Dr. Paula / Land in Sicht / Büro K2 im Auftrag des Amtes der NÖ LReg, Gruppe Straße, Abteilung Großprojekte, Projektmanagement Weinviertel)

- ab 2002:
nach Übertragung der Bundesstraßen an die Länder Ausarbeitung UVE Einreichprojekt mit Variantenuntersuchung und NKU für den Abschnitt B 303 Hollabrunn - Guntersdorf mit Umweltverträglichkeitserklärung (DI Glatt / Büro Dr. Paula im Auftrag des Amtes der NÖ LReg, Gruppe Straße, Abteilung Großprojekte, Projektmanagement Weinviertel)

- 23.12.2003:
Einreichung der UVE beim Amt der NÖ LReg, Abtlg. RU4 zur Durchführung der Umweltverträglichkeitsprüfung - Verfahren nicht mehr abgeschlossen

- Herbst 2005:
Durchführung einer Strategischen Prüfung-Verkehr (SP-V) für den Abschnitt Stockerau - Staatsgrenze im Raum Klein Haugsdorf zur Wiederaufnahme der LB 303 als Schnellstraße S 3 in das Bundesstraßengesetz (DI Prem / Büro Dr. Paula / Land in Sicht / Pistecky / arealConsult / Snizek im Auftrag des Amtes der NÖ LReg, Gruppe Straße, Abteilung Großprojekte, Projektmanagement Weinviertel)

- 2005 - 2006:
Bau der zweistreifigen Umfahrung von Jetzelsdorf durch die NÖ Landesstraßenbauabteilung Hollabrunn mit niveaugleichem Bahnübergang und Straßen-kreuzungen (Kreisverkehren)

- Juni 2006:
Neustart der Planungsarbeiten nach Übernahme durch die ASFINAG für den Abschnitt S 3 Hollabrunn - Guntersdorf;
Variantenuntersuchung und NKU (Teilbearbeitung Büro Dr. Paula / Land in Sicht)

- ab 2007:
Vorprojekt, Einreichprojekt, UVE (Teilbearbeitung Büro Dr. Paula / Land in Sicht)

- 2013 - 2016:
Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP-Verhandlung 03/2015)
Trassenbescheid 01/2016

- 2016 - 2017:
BVwG Berufungsverhandlung nach 2 Einsprüchen 10/2016
BVwG Bestätigung Trassenbescheid 01/2017

- 2017:

Materienrechtliche Genehmigung Naturschutz/Wasserrecht durch das Amt der NÖ Landesregierung 03/2017

- Herbst 2017:

Baubeginn