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ES KOMMT IMMER ALLES WIEDER ...

Mi, 21. Januar 2009
Beitrag von Dr. Luzian Paula
Da kommt doch wirklich Freude auf: wer lange genug in der Planung tätig ist und auch noch über ein halbwegs gutes Gedächtnis verfügt, wundert sich nicht mehr. Denn wenn man die neueste EU-Richtlinie ansieht, die eine betriebliche Nutzung auf allen Grundstücken verbietet, die innerhalb eines 100 m breiten Streifens beidseits von Hochleistungsstraßen liegen, erinnert man sich: da war doch was, das hatten wir doch schon einmal!

Und zwar in den frühen 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts!

Damals galt es als state of the art, beidseits von Schnellstraßen einen Streifen von je 200 m Breite auszuweisen, in dem keine landwirtschaftliche Nutzung stattfinden sollte: die Blei- und Asbestbelastung im Boden war dort nämlich zu hoch (wer das auch nicht mehr mehr weiß: Blei war früher im Benzin drin und Asbest auf den Bremsbelägen der Autos. Und als dann die Belastung zu hoch wurde, hat man das Blei und das Asbest weggelassen, durch andere Werkstoffe ersetzt und innerhalb weniger Jahre ist der Boden wieder clean gewesen).

Als brave Raumplaner haben wir daher in den regionalen Entwicklungsprogrammen dementsprechende Verbotszonen ausgewiesen, in komplizierten Verordnungstexten festgelegt - und glaubten die Welt gerettet zu haben. Leider hat es an der Umsetzung gemangelt, weil weder die örtliche Raumplanung Instrumente dazu besaß und auf der anderen Seite auch die Bauern und schon gar nicht die Häuselbauer sich davon beeindruckt zeigten (ich sehe noch den Fernsehbeitrag vor mir, als junge Leute stolz die wohnbaugeförderten Rohbauten ihrer neuen Einfamilienhäuser zeigten - genau unter der Europabrücke in Tyrol). Aber auch sie haben den Blei- und Asbesteintrag überstanden. Jetzt ham’s halt demnächst ein Problem mit dem neuen Feinstaubgesetz, das unsere Teueren sicher rascher als andere EU-Staaten (wir sind ja Musterschüler) beschließen werden.

Weil wenn man schon nicht in dem Streifen 100 m neben der Autobahn bauen darf, was macht man dann 150 m genau darunter? Und überhaupt: wie soll dieser neue Schutzstreifen denn genutzt werden?
Häuser bzw. Betriebe hineinbauen geht nicht - gut, Landwirtschaft betreiben und Kühe grasen lassen geht sicher auch nicht - sonst werden die Kühe und die Milch staubig, Freizeit- und Erholungseinrichtungen wären nur im Freien möglich (kein Gebäude!) - auch nicht so gut, was bleibt dann noch übrig? Am besten, man Überlässt den Streifen sich selbst und entschädigt die Besitzer - ein idealer Ausweg.

In Wahrheit ist das aber auch keine Lösung, weil warum: Überlässt man ein Grundstück sich selbst, dann verwildert es und dann wird es zum idealen Lebensraum für seltene Tiere, die vorher nicht dort waren und denen der Feinstaub schnurzegal ist, die aber ihrerseits sicher einen hohen Schutzstatus aufweisen und möglicherweise lärmempfindlich sind (ohne dass es die meisten jedoch wissen dürften). Somit können später entlang der Autobahnen hochökologische natura 2000-Gebiete festgelegt werden, die dann aber auch keine Nutzung der angrenzenden Gebiete (außerhalb der 100 m) erlauben. Und so wird langsam, aber sicher die Ökologisierung der österreichischen Landschaft erreicht.

Dem Feinstaub sei Dank ...