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SIC TRANSIT GLORIA MUNDI ...

So, 04. Januar 2009
Beitrag von Dr. Luzian Paula
Da soll sich noch jemand auskennen! Galt es seit einigen Jahrzehnten als unumstössliches Gebot für einen Schottergrubenbetreiber, dass die verwüstete Landschaft nach erfolgter Auskiesung auf seine Kosten wieder zu rekultivieren sei, ist auf einmal alles anders.

Nix is’ mehr mit einer bescheidmäßig genau festgelegten Wiederherstellung der Landschaft in den vorigen Zustand - wenn oft auch einige Meter tiefer -, mit der die optischen Wunden an der "Schönheit des Landschaftsbildes" für den Menschen wieder ungeschehen zu machen waren. Keine G’stetten und Verwüstung durfte zurückbleiben, nicht die kleinste Zerstörung der Natur wurde geduldet.

Wo einst wogende Felder waren, hatte es "danach" wieder zu wogen und wo grüne Wiesen das Auge und die Schmetterlinge erfreuten, waren wieder solche zu schaffen. Aber schmeck’s - wofür macht der Mensch Gesetze zur Erhaltung von schöner Natur und netter Landschaft? Weil derselbe Mensch auch Gesetze zum Schutz seltener Tiere macht, die vorher gar nicht da waren und erst durch die Verwüstungen des Schotterabbaues angelockt wurden. Und weil diese Viecherln so selten sind, stehen sie auf irgendeiner roten, grünen oder gelben Liste, die Naturschützer im Ruhrgebiet erfunden haben - und schon kann sich der Mensch sein gesetzmässig zugesichertes Interesse am schönen Landschaftsbild abschminken. Weil warum: die Landschaft darf jetzt nicht mehr rekultiviert sein, sondern muß gezielt als G’stetten erhalten bleiben bzw. neu gebaut werden. Damit die Viecherln, die vorher nicht da waren, nicht wieder weggehen, sondern dableiben und sich vermehren.

Und die Viecherln die vorher schon da waren müssen halt schauen, wo sie bleiben, wenn später einmal die ganze Landschaft für die neuen Viecherln umgebaut worden ist. Das Landschaftsbild ist halt dann endgültig perdu. Wäre schön, wenn man bei dem ganzen Theater zum guten alten Grundsatz der Abwägung einzelner Schutzgüter untereinander zurückkehren könnte - aber das geht ja Gott sei Dank nicht, weil eine bunte Liste im Ruhrgebiet gefährdeter Arten ja alles schlägt!