Land.In.Sicht
Büro Dr. Paula
Zurück

WAS ES NICHT ALLES GIBT ...

Mi, 24. September 2008
Beitrag von Dr. Luzian Paula
In der guten alten Zeit vor Bill Gates (v.G.) war ein Naturdenkmal ein Naturdenkmal und als solches ein "N" in einem Kreis mit einem Stricherl, das punktgenau den berühmten schützenswerten Baum oder mit mehreren Stricherln die Allee oder was auch immer im Flächenwidmungsplan bezeichnete. Und ein Denkmal war ein Denkmal (wieder ein Kreis mit "D" und einem Stricherl) - und man hat sich ausgekannt. Doch nach der Zeitenwende (n.G.) ist es nicht mehr ganz so einfach und klar. Ein Beispiel: In der schönen Waldviertler Gemeinde Raabs an der Thaya (Besuch empfehlenswert) gibt es eine schöne Landesstraße, die den schönen Ort Speisendorf mit dem schönen Hauptort Raabs verbindet. Und entlang dieser schönen Straße gibt es eine noch viel schönere Allee, die aus lauter schönen Winterlinden besteht. Und die natürlich unter Naturdenkmalschutz steht. Bisher hat das im (analogen) Flächenwidmungsplan so ausgesehen:

Bei der digitalen Neudarstellung des Flächenwidmungsplanes war daher diese schöne Allee auch zu berücksichtigen. Ein entsprechender Eintrag in die Datenbank sollte eigentlich genügen. Aber was tut Bill Gates, pardon Gott? Er lässt uns die Allee nicht mehr punktgenau räumlich verorten, sondern braucht dazu eine Grundstücksnummer. Eine solche hat die Straße und damit ist die ganze Fläche der Landesstraße ein Naturdenkmal geworden. Und nicht die straßenbegleitende Allee alleine. Zur Strafverschärfung kreuzt unsere Landesstraße leider auch noch ein Grundstück, auf dem sich ein verordnetes Bodendenkmal befindet. Wir sind hier schließlich in einem Raum, wo die Ungarn bereits im Jahr 940 eine um 910 gegründete Siedlung mit einem Pfeilhagel niedermachten (die Pfeilspitzen hat man gefunden, die Siedlung gibt’s seither nicht mehr). Ein Bodendenkmal braucht eine Grundstücksnummer in der Datenbank - und damit ist unsere Straße in ihrer ganzen Länge zum Denkmal geworden. Heilige Planzeichenverordnung, bitte für uns! Weil warum: die Landesstraße per se ist ja auch noch mit einem Planzeichen versehen und als solche kenntlich zu machen! Und voilà: so schaut das heute, im Jahr 25 n.G. aus:

Eine bessere Lesbarkeit kann hier niemand erkennen - oder?