Land.In.Sicht
Büro Dr. Paula
Zurück

VON DRESDEN KANN MAN LERNEN ...

Di, 01. Juli 2008
Beitrag von Dr. Luzian Paula
"Sieh da, sieh da, Timotheus, die Kraniche des Ibikus" könnte man fast sinngemäß rufen, nachdem die letzten Meldungen aus Dresden bekannt wurden. Die schöne sächsische Hauptstadt hat sich nach Beseitigung der gräßlichen Kriegsschäden um Aufnahme in das Weltkulturerbe der Unesco bemüht und wurde 2004 auch erfolgreich gelistet. Das schon seit fast 200 Jahren bestehende Ensemble aus Barock- und Landschaftsarchitektur gilt (erst) seither als erhaltenswert. Doch was tut Gott bzw. die Zeitläufte? Sie lassen Dresden nach Jahrzehnten der (ostdeutschen) Stagnation endlich wieder wachsen, blühen und gedeihen - und was passiert?

Richtig: neuer Verkehr entsteht! Und der braucht eine neue Brücke über die nunmehr weltkulturerbegeschützte Elbe. Die Verwalter des Weltkulturerbes machen daraufhin das ihre und setzen das Elbtal auf ihre "Rote Liste". Und jetzt beginnt die Aufregung ... Doch die Dresdner Bürger blieben cool, haben sich in einer Volksabstimmung für die neue Brücke ausgesprochen und 2007 wurde mit dem Bau begonnen. Die Unesco hätte als Kompromiß nur einen sündteuren Tunnel akzeptiert, was sich wiederum Dresden nicht leisten konnte und so kam, was kommen muß: Dresden wird sich in aller Gelassenheit vom Weltkulturerbe verabschieden. Und wird weiterhin das Elbflorenz genannt werden und eine wunderschöne Stadt in einer wunderschönen Landschaft sein und von vielen Touristen besucht werden ...

Was lernen wir daraus? Es ist wie mit dem ÖAMTC, dem Alpenverein oder dem Verkehrsclub: wenn ich Mitglied in einem Verein sein will, bin ich auch zur Einhaltung seiner Spielregeln bereit. Wenn ich aber dann von Seiten Dritter oder sonstiger, selbsternannter Tugendwächter mit Hilfe der öffentlichen Meinung in meiner Entwicklung gehemmt oder eingeschränkt werden soll, muß ich die Notbremse ziehen. Denn durch die bloße Auflistung in einem Vereinsregister (ob Weltkulturerbe der Unesco oder Nationalpark nach IUCN-Richtlinien) wurde noch kein Cent bewegt und kein Baum gerettet und kein Beitrag zur Sanierung eines alten Gebäudes geleistet.